Wie Hochschulen die Vielfalt in der Studierendenschaft nutzen könnenStudierende haben sich bewusst für ihren Studiengang entschieden, können sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren, befinden sich alle auf einem gleichen Wissensstand und zeigen weitgehend ähnliche Lerngeschwindigkeiten – mit einem solchen unzutreffenden Bild eines „Normalstudierenden“ werden immer noch zahlreiche Studiengänge konzipiert. Weil sich die Studierendenschaft immer stärker ausdifferenziert, gibt es diesen „Normalo“ kaum noch, und es entstehen zunehmend Friktionen dort, wo das Angebot nicht mehr auf die Nachfrager(innen) passt. Am 21./22.10.2010 veranstaltet CHE Consult eine Tagung, die unter dem provokanten Titel „Nur die Harten komm‘ in‘ Garten?“ die Veränderungen beleuchtet, die eine sich wandelnde Studierendenschaft für die Hochschulen mit sich bringt. Mit Referent(inn)en aus dem In- und Ausland werden in drei Sessions internationale Erfahrungen diskutiert und innovative Projekte an deutschen Hochschulen vorgestellt: Integration an der Hochschule: Vielfalt und Qualität der Betreuung
Welche Betreuungsangebote und –strukturen fördern die Integration an der Hochschule und tragen so zu einer höheren Bildungsbeteiligung und zu einem höheren Studienerfolg von Studierenden bei, die nicht dem Bild des „Normalstudierenden“ entsprechen?
Bereicherung statt Defizit: Vielfalt in der Lehre
Wie können neue Zielgruppen für die Hochschule gewonnen werden und wie kann der/die Einzelne seine/ihre besonderen Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten im Studium einbringen? Wie kann die Lehre davon profitieren, dass die Studierenden unterschiedliche Hintergründe mitbringen – anstatt dass sich das als Hemmnis im Studienablauf darstellt?
Diversität und Struktur: Veränderung der Hochschule
Welche Veränderungen in der Hochschule sind nötig, damit sich die Strukturen den (neuen) Anforderungen anpassen? Wie kann eine Strategie der Vielfalt strukturell umgesetzt werden?
Je stärker sich die Studierenden in ihren Voraussetzungen und Lebensumständen, ihrer Studienmotivation und ihren beruflichen Zielen unterscheiden, umso mehr sind die Hochschulen gefordert, Studieninteressierte sowie Studierende zu unterstützen und zu fördern.
Manche ausländische Hochschule ist da längst einen Schritt weiter: Anhand von Beispielen aus den Niederlanden, England, Irland und den USA wird die Tagung aufzeigen, wie Studierende trotz unterschiedlicher Voraussetzungen individuell betreut und beraten werden können und wie zugleich neuentwickelte integrative Lehrkonzepte eine Bereicherung für die Hochschule darstellen können.
Diese Beispiele aus dem In- und Ausland werden auch zeigen, dass es nicht darum geht, neue Maßnahmen oder „Diversity“-Instrumente zu erfinden. Vielmehr gibt es jetzt schon ganz konkrete Ansatzpunkte, die zeigen, wie die Hochschule ihrer Verantwortung den jungen Menschen gegenüber besser gerecht werden kann:
• Hochschulen planen neue Bachelorprogramme überwiegend als Vollzeitprogramme mit hoher Arbeitsbelastung, obwohl ein Fünftel der Studierenden de facto in Teilzeit studiert.
• Die Regelstudienzeit in den neuen Studienprogrammen wird kompromisslos und unflexibel vorgegeben, obwohl die „Regelstudienzeit“ bisher wenig mit der Studienzeit zu tun hatte, die die Studierenden für ihren Abschluss benötigten. So werden unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und Studieninteressen zum Nachteil.
• Für studienvorbereitende Propädeutika wird häufig zu wenig Zeit eingeplant, obwohl diese in der Bologna-Philosophie einen wichtigen Stellenwert haben. Sie können insbesondere dazu beitragen, Wissensstände auszugleichen und alle Studierenden mit den akademischen Anforderungen an der Hochschule vertraut zu machen.
• Das Unterstützungs- und Beratungsangebot der Hochschulen reicht oft kaum über die enge fachliche Beratung am Fachbereich hinaus oder ist weitgehend vom Studienbetrieb abgekoppelt und bei den zentralen Studienberatungen und psychologischen Beratungsstellen angesiedelt. Auch die Finanzierungsberatung fehlt an Hochschulen meist völlig und wird von diesen meist an die Sozialberatung der Studentenwerke delegiert. Doch gerade finanzielle Probleme und Fragen der Orientierung und Entscheidung führen oft zum Studienabbruch – und die Studierenden sind davon, je nach Herkunft und Lebenslage, in unterschiedlichem Ausmaß betroffen.
Auch die Initiativen für studierende Eltern und Studierende ohne Abitur zeigen, dass auch in Deutschland die Hochschulen es immer stärker in ihrer Verantwortung liegen sehen, die Studierenden ihrem Potential entsprechend bestmöglich zu fördern.
Die Tagung findet im Rahmen des Projekts „Vielfalt als Chance“ statt, das in Kooperation mit acht Projekthochschulen aus ganz Deutschland der Frage nachgeht, wie Vielfalt in der Studierendenschaft in der Hochschule produktiv genutzt werden kann.
Dieses Projekt wird von der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Programmes „Integration und Bildung“ gefördert.
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