Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die globale Wirtschafts- und Finanzkrise beherrscht die Schlagzeilen. Der Umgang mit ihr ist aus zwei Gründen so kompliziert:
- In modernen Ökonomien hängt fast alles mit allem zusammen; Wirkungen an einer bestimmten Stelle pflanzen sich vielfältig in Volkswirtschaften fort.
- Diese komplexen Zusammenhänge machen einerseits Ausgang und Dauer der Krise ungewiss und führen andererseits dazu, dass die Effekte bestimmter Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise kaum kalkulierbar sind.
Dies gilt auch für den Hochschulbereich: Unzweifelhaft werden Wirkungen bei den Hochschulen ankommen, und das in vielfältiger Form, aber ohne derzeit klar zu wissen welche. Erfahrungen aus anderen Krisen geben Anhaltspunkte dafür, dass und wie sich Symptome wirtschaftlicher Schwächephasen im Hochschulbereich niederschlagen könnten:
- Positive Wirkungen von Konjunkturprogrammen wurden mit einiger Verzögerung durch Konsolidierung überschuldeter Haushalte und Sparmaßnahmen im konsumtiven Bereich wieder aufgehoben.
- Die Drittmitteleinnahmen der Hochschulen sind mit der schwierigen Ertragsentwicklung privater Geldgeber zurückgegangen.
- Ein rückläufiges Ausbildungsplatz- und Beschäftigungsangebot hat in der Vergangenheit zu höheren Studienbewerberzahlen und einer längeren Verweildauer an der Hochschule geführt. Studiengänge, die einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz versprachen, etwa als Lehrer/in oder in der öffentlichen Verwaltung, hatten Hochkonjunktur.
- Als Chance haben sich Wirtschaftskrisen für den Hochschulsektor jedoch insofern erwiesen, als sie Ihren politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellenwert als wichtiger Impulsgeber für neues Wachstum verbessern konnten. Dazu bedarf es ggf. auch inhaltlicher Innovationen in Studienprogrammen und Forschungsprojekten.
Was sollte man in dieser Situation tun? Auf keinen Fall jammern, schwarzmalen oder untätig zuschauen. Stattdessen gilt es zu versuchen, realistische Szenarien für die Folgen der Krise im Hochschulbereich zu entwickeln und auf dieser Basis bereits jetzt Maßnahmen für Hochschulen und Politik vorzuschlagen. Noch fehlt es dafür an überzeugenden Antworten, aber wir haben eine Reihe ausgewählter (inter-)nationaler Expert/innen aus dem Hochschulbereich gebeten, ihre Sicht auf aktuelle Entwicklungen darzulegen und mögliche Konsequenzen zu prognostizieren. Mit diesen Denkanstößen möchten wir zur Diskussion über geeignete Konzepte und Maßnahmen in der Krise anregen.
Wir laden Sie ein, die Standpunkte der Expert/innen zu kommentieren. Wenn Sie darüber hinaus auch einen Aspekt zum Thema beitragen möchten, schicken Sie uns Ihren Beitrag per E-Mail an Zur-Sache@che.de. Eine Veröffentlichung oder Kürzung der eingegangenen Beiträge behalten wir uns allerdings vor.
Ihr Frank Ziegele
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